„Ich kannte Pflege. Diese Menschen musste ich erst kennenlernen.“
Ich komme aus der Pflege und wollte Menschen langfristiger begleiten. Nicht nur wissen, welche Unterstützung jemand braucht, sondern auch kennenlernen, was ihm wichtig ist und wie er seinen Alltag erlebt.
Trotzdem hatte ich Respekt vor dem Wechsel. Mir war klar, dass im Kinderheim an der Alten Eiche junge Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen leben. Aber zu wissen, was das bedeutet, und sich selbst in dieser Arbeit vorzustellen, sind zwei verschiedene Dinge.
Meine Fragen waren deshalb sehr konkret: Wie erkenne ich, was jemand braucht, wenn er es nicht sagen kann? Wie verbinde ich Pflege mit pädagogischer Begleitung? Und wie gehe ich damit um, wenn mich eine Situation auch nach dem Dienst noch beschäftigt?
Was mir geholfen hat, war, nicht so zu tun, als hätte ich schon auf alles eine Antwort. Ich habe nachgefragt, beobachtet und von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen gelernt. Warum ist dieses Ritual wichtig? Was könnte diese Reaktion bedeuten? Möchte jemand gerade Nähe oder eher Ruhe?
Mit der Zeit hat sich mein Blick verändert. Ich achte stärker auf kleine Signale. Und ich habe gelernt, dass ein gelungener Tag nicht immer einen sichtbaren Fortschritt braucht. Manchmal ist viel erreicht, wenn jemand sich wohlfühlt, mitentscheiden konnte oder in einer schwierigen Situation wieder Sicherheit gefunden hat.
Die Arbeit bleibt anspruchsvoll. Aber genau diese Verbindung aus Pflege, Aufmerksamkeit und langfristiger Beziehung ist das, was ich gesucht habe.
Ich möchte einen Menschen nicht nur gut versorgen. Ich möchte ihn verstehen lernen.
Hinweis: Zur Wahrung der Vertraulichkeit wurden Namen, Details und einzelne Abläufe anonymisiert und in Teilen verfremdet.
